Zum Inhalt springen
Transporte Lacher

Sollte ich einen Hörspezialisten aufsuchen?

Anzeichen für nachlassendes Gehör, der Ablauf eines Hörtests und die Bauformen moderner Hörgeräte von hinter dem Ohr bis unsichtbar im Gehörgang.

Veröffentlicht am 26. Dezember 2021 · Aktualisiert am 21. August 2026

Hörgerät wird bei einem Akustiker angepasst

Nachlassendes Gehör kommt selten plötzlich. Es schleicht sich über Jahre ein, und weil das Gehirn fehlende Information erstaunlich lange ausgleicht, merken es Angehörige oft früher als die Betroffenen selbst. Wer den Verdacht hat, sollte ihn prüfen lassen, denn ein Hörtest ist schnell, schmerzfrei und beim Akustiker kostenlos.

Woran Sie nachlassendes Gehör erkennen

Typisch ist nicht, dass alles leiser wird, sondern dass bestimmte Situationen schwerfallen. Aufhorchen sollten Sie, wenn mehrere der folgenden Punkte auf Sie zutreffen:

  • In Gesprächen mit Hintergrundgeräuschen, im Restaurant oder auf Familienfeiern, verlieren Sie den Faden, während es unter vier Augen gut geht.
  • Sie bitten häufiger darum, etwas zu wiederholen, oder Sie antworten auf gut Glück.
  • Fernseher und Radio stehen lauter als früher, andere im Raum finden es zu laut.
  • Hohe Töne fehlen: Vogelgesang, das Klingeln des Telefons, Kinderstimmen.
  • Konsonanten verschwimmen, sodass “fünfzehn” und “fünfzig” gleich klingen.
  • Sie sind nach längeren Gesprächen auffällig erschöpft, weil das Zuhören Kraft kostet.
  • Ein Ohr hört deutlich schlechter als das andere, oder Sie hören ein Ohrgeräusch.

Kommt der Hörverlust plötzlich, betrifft nur ein Ohr oder geht mit Schmerzen, Schwindel oder Ausfluss einher, ist das kein Fall für Geduld. Dann gehört es zeitnah ärztlich abgeklärt.

Der erste Schritt: Akustiker oder Arzt

Für eine erste Einschätzung ist der Hörgeräteakustiker ein guter Anlaufpunkt. Er führt einen Hörtest durch, zeigt Ihnen das Ergebnis als Audiogramm und sagt Ihnen, ob und in welchem Bereich Ihr Gehör vom Normalwert abweicht. Ergibt sich ein Verdacht auf eine behandelbare Ursache, verweist er an einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt, der weitere Untersuchungen vornimmt.

Diese Reihenfolge hat einen praktischen Grund: Nicht jeder Hörverlust braucht ein Hörgerät. Ein Pfropf aus Ohrenschmalz, eine Mittelohrentzündung oder ein Erguss hinter dem Trommelfell lassen sich behandeln, und danach hört man wieder normal. Für die Versorgung mit einem Hörgerät auf Kosten der Krankenkasse ist ohnehin eine ärztliche Verordnung nötig, die Kasse übernimmt dann einen Festbetrag.

Wie ein Hörtest abläuft

Der Ablauf dauert selten länger als eine halbe Stunde. Zuerst schaut der Akustiker oder Arzt mit dem Otoskop in den Gehörgang, um Verstopfungen und Entzündungen auszuschließen. Anschließend folgt in einer schallgedämmten Kabine die Tonaudiometrie: Sie hören über Kopfhörer Töne verschiedener Frequenzen in abnehmender Lautstärke und geben jeweils ein Zeichen, sobald Sie etwas wahrnehmen. Daraus entsteht für jedes Ohr eine Kurve.

Meist kommt ein Sprachtest hinzu, bei dem Sie Wörter oder Zahlen nachsprechen, teilweise mit Störgeräusch im Hintergrund. Er sagt mehr über den Alltag aus als die reine Tonkurve, denn Verstehen ist nicht dasselbe wie Hören.

Bauformen: was hinter dem Ohr sitzt und was im Gehörgang

Hörgeräte unterscheiden sich vor allem darin, wo Technik und Lautsprecher sitzen.

Hinter dem Ohr (HdO). Das Gehäuse liegt hinter der Ohrmuschel, der Schall wird über einen Schlauch oder ein dünnes Kabel in den Gehörgang geführt. Diese Geräte haben die größten Reserven bei der Verstärkung, bieten Platz für kräftigere Batterien und Bedienelemente und sind bei eingeschränkter Fingerfertigkeit leichter zu handhaben. Sie sind die üblichen Arbeitstiere, auch bei starkem Hörverlust.

Im Ohr (IdO). Hier steckt die gesamte Technik in einer individuell gefertigten Schale, die in Ohrmuschel oder Gehörgang sitzt. Je tiefer die Bauform im Gehörgang liegt, desto unauffälliger ist sie. Kleine Hörgeräte sind eine gute Alternative, wenn das Gerät möglichst unsichtbar bleiben soll. Der Preis dafür sind knappere Verstärkungsreserven, kleinere Batterien mit kürzerer Laufzeit und eine fummeligere Handhabung. Wer stark schwitzt oder viel Ohrenschmalz produziert, braucht hier mehr Pflegedisziplin.

Unabhängig von der Bauform sind heute Funktionen üblich, die vor zehn Jahren noch Ausstattung der Oberklasse waren: Richtmikrofone, die sich auf die Sprache vor Ihnen konzentrieren, automatische Programme für unterschiedliche Umgebungen, Bluetooth für Telefon und Fernseher sowie wiederaufladbare Akkus statt Knopfzellen.

Worauf es bei der Auswahl ankommt

Vier Fragen entscheiden mehr als der Preis:

  1. Passt das Gerät zu Ihrem Hörverlust? Die Verstärkung muss zur Kurve im Audiogramm passen, nicht zum Wunsch nach Unauffälligkeit.
  2. Passt es zu Ihrem Alltag? Wer viel in Gruppen, in Hallen oder am Telefon ist, braucht andere Schwerpunkte als jemand, der überwiegend zu Hause liest.
  3. Können Sie es bedienen? Batteriewechsel, Reinigung und Einsetzen müssen im Laden geübt werden, nicht erst zu Hause.
  4. Wie sitzt es nach drei Stunden? Druckstellen zeigen sich nicht in fünf Minuten.

Nutzen Sie die Möglichkeit, Geräte zur Probe zu tragen. Seriöse Akustiker geben mehrere Modelle über einige Wochen mit, auch zum Vergleich zwischen Kassenversorgung und Zuzahlung. Gutes Hören mit Gerät ist außerdem ein Gewöhnungsprozess: Das Gehirn muss lernen, wieder mit Geräuschen umzugehen, die es lange nicht gehört hat. Die ersten Tage klingen deshalb oft ungewohnt hart, das legt sich.

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung. Wie ein Hörverlust einzuordnen und zu behandeln ist, klärt die Untersuchung im Einzelfall.

Im Ratgeber weiterlesen

Dieser Beitrag steht thematisch für sich. Der Umzugsratgeber beginnt hier: